Beim Dry needling wird zwischen der sogenannten intramuskulären Stimulation (IMS) und der superfiziellen Afferenzstimulation (SAS)unterschieden. Die IMS ist das „eigentliche“ Dry needling, bei welchem die Muskeltriggerpunkte gesucht und direkt mit der Nadel behandelt werden. Beim SAS werden die Nadeln nur oberflächlich in die Haut gestochen.

Intramuskuläre Stimulation (IMS)

Einer der ersten Anwender von IMS war Chan Gunn. Er entwickelte den sogenannten Gunn-Approach. Dabei wird nicht direkt auf die Triggerpunkte gezielt, sondern der ganze Muskel behandelt, mit dem Ziel der allgemeinen Muskelentspannung. Später hat sich aus dem Gunn-Approach das Triggerpunktmodell des Dry Needling entwickelt, bei welchem die klinischen Diagnosekriterien für myofasziale Triggerpunkte angewendet werden. Dazu gehören:

  • der Hartspannstrang
  • die lokale Druckdolenz innerhalb des Hartspannstranges
  • die übertragenen Schmerzen ausgehend von myofaszialen Triggerpunkten
  • die lokale Zuckungsantwort des Hartspannstranges bei mechanischer Stimulation

Man unterscheidet in der praktischen Anwendung zwei Techniken, die dynamische und die statische intramuskuläre Stimulation.

Dynamische intramuskuläre Stimulation

Dabei wird der Hartspannstrang mit der Nadel zuerst kegelförmig gesucht. Wenn dieser gefunden ist, wird der Hartspannstrang solange punktiert, bis die lokale Zuckungsreaktion nachlässt. Viele Patienten empfinden das als „Wohlschmerz“ und lösend, ähnlich wie das Gefühl des Knackens bei einer Gelenkmobilisation.

Statische intramuskuläre Stimulation

Der Unterschied zur dynamischen IMS ist, dass die Nadel, sobald der myofasziale Triggerpunkt gefunden wurde, an der Stelle belassen wird. Dabei kann ein krampfartiges Gefühl ähnlich dem aus der Akupunktur bekannten De-Qi(-Gefühl) entstehen. Es ist wichtig, die Nadel solange im Hartspannstrang zu lassen, bis der lokale Krampf nachlässt. Die statische IMS ist für sogenannte Strong Responder geeignet, wogegen das dynamische IMS für Weak Responder geeignet ist. Diese Unterscheidung und sorgfältige Auswahl der richtigen Anwendung der intramuskulären Stimulation ist besonders wichtig, da es sonst zu Überreaktionen kommen kann.

Superfizielle Afferenzstimulation (SAS)

Die superfizielle Afferenzstimulation beruht auf den Arbeiten von Peter Baldry. Die Nadeln werden dabei nur wenige Millimeter über den myofaszialen Triggerpunkt in die Haut eingestochen und für einige Minuten belassen. SAS ist für strong responders geeignet.

Alexander Ackermann
Sportphysiotherapeut des DOSB
Master of advanced studies
(sportsphysiotherapy)

2018-08-30T14:21:14+00:00 August 28th, 2018|News|